Die Wanderfahrt 2015 – Lahn

 

In der Letzten Augustwoche starteten die Wanderfalken-Wanderfahrer wieder zu ihrer jährlichen Gepäckfahrt. Diesmal ging es auf die Lahn, geplant war der Abschnitt von Marburg bis Lahnstein, in Summe ca. 170 km.

Aufgrund der relativen Nähe der Lahn benötigten wir keinen Anreisetag. Es ging Samstag morgen um 7 Uhr am Bootshaus los, die Boote wurden auf die Autos geladen und wir fuhren in Richtung Marburg. Am Campingplatz „Lahnaue“ bei Flußkilometer -37,2 setzen wir die Boote ein und waren kurz nach 13 Uhr zu fünft auf dem Wasser. Der Wasserstand war aufgrund des wenigen Regens in den Wochen zuvor recht niedrig, ab und an staksten wir mit den Paddeln auf Grund, aber es ging mit guter Strömung und herrlichem Sonnenschein durch das Marburg-Gießener Lahntal vorwärts.

02 043 DSC 8974

Nach 5 Kilometer mußten wir direkt wieder raus, das erste von 4 Wehren an diesem Tag, dort am Wehr Steinmühle konnte man allerdings am Steg sehr gut aussteigen und unterhalb wieder einsteigen. Am 2. Wehr bei Nehmühle wurde es schon schwieriger, da wir die vollbeladenen Boote dort direkt einen Meter die senkrechte Böschung hochziehen mußten. Mühsam hatten wir unsere Boote wieder eingesetzt, das nächste Wehr war aber nur 500m entfernt und am 3. Wehr waren links und rechts Schilder „Aussteigen verboten“. Dank weiblichen Charmes ging das zwar trotzdem ohne Probleme, aber man sollte bei der nächsten Fahrt besser vom 2. Wehr an die Boote auf der Straße schieben und unterhalb der Mühle Argenstein wieder einsetzen.

 

02 043 DSC 9002

 

Am vierten Wehr bei Roth hatten wir weniger Probleme, dort kam man gut raus und konnte mit Bootswagen umsetzen. Dieser Abschnitt der Lahn ist, im Gegensatz zur Strecke ab Lollar, nicht touristisch erschlossen, wir hatten trotz des Wochenendes keine Leihboote gesehen.

In Lollar-Rutterhausen blieben wir die Nacht auf dem Campingplatz, netterweise konnten wir dort auch die Autos einige Tage stehen lassen, die wir daraufhin von Marburg nachholten. Johannes verabschiedete sich am Abend von uns, er konnte nur den einen Tag mitfahren

Am nächsten Morgen mußten wir bei Lollar zum letzten Mal ein Wehr umtragen.

 

02 043 DSC 8996

 

Kurz hinter Lollar liegt links die Ruine Badenburg, ein geschichtsträchtiger Ort: Georg Büchner verfasste hier 1834 mit Gleichgesinnten aus Gießen die Flugschrift "Der Hessische Landbote", in der die Bauern zum Widerstand gegen die adelige Obrigkeit aufgerufen wurden. Berühmt wurde diese durch den Titel: "Friede den Hütten! Krieg den Palästen!".

Gießen erstreckt sich über etliche Kilometer (Flusskilometer -9 bis -2) entlang der Lahn, 3 Bootsrutschen halfen uns, die Stadt ohne Umstieg direkt zu durchfahren. Direkt hinter Gießen ist dann Kilometer 0, ab hier werden die Flußkilometer der Lahn aufwärts gezählt. Der Grund dafür ist, das hier die alte preußisch-hessische Grenze verlief.

Bei Dorlar kam dann die erste Schleuse, bei Naunheim die zweite. Beide waren wie alle Schleusen bis Runkel durch die Wassersportler- und touristen selbst zu bedienen. In Dorlar klappte das gut, es waren etliche Leihboote am sonnigen Sonntag unterwegs, die uns netterweise schleusten. Bei Naunheim wurde das dann etwas interessanter. Im Nachhinein empfiehlt es sich, bei Schleusenbedienung durch Touristen mit Bierflaschen in der Hand lieber auszusteigen und zu kontrollieren, das die richtigen Schotten geöffnet bzw. geschlossen sind. Das Schließen wurde von der bierseeligen Truppe leider vergessen, so das in der Schleusenkammer binnen kurzem Wildwasserfeeling aufkam, das Wasser schoß einfach nur durch ohne das sich der Wasserspiegel ausglich. Irgendwann hatte die Bedienung nach Zuruf verstanden, daß sie einen Fehler gemacht haben, dann klappte es auch mit dem Schleusen.

Abends fuhren wir durch die Altstadt von Wetzlar, unter anderem durch die berühmte steinerne Lahnbrücke.

 

02 044 DSC 9025

 

Nach einer Bootsrutsche und einer Umtrage mit Rollen kamen wir am KC Wetzlar an, wo wir am Bootshaus campen konnten. Dort stieß Marlies zu uns, so das wir wieder zu fünft fuhren.

Am Montag konnten wir nach der ersten Biegung des Flusses den Blick auf das Kloster Altenberg genießen, nach 3 Schleusen und der Fahrt durch das Weilburger Lahntalgebiet sahen wir auch das berühmte Märchenschloss Braunfels, auch als „Hessens Schloss Neuschwanstein“ bezeichnet.

Dort hatten wir auch ausnahmsweise recht starke Strömung und kamen flott voran. Ab Leun mußten wir dann leider doch mal die Regenjacken auspacken, aber nach ein paar kurzen Schauern klarte es wieder auf. An Leun, der Mineralquelle Selters, Löhnberg vorbei ging es bis Weilburg, wo wir bei der Weilburger Rudergesellschaft campen konnten. Dort beschlossen wir kurzerhand, unseren Kulturtag lieber in Weilburg statt in Runkel zu verbringen und so hoffentlich etwas ruhiger schlafen zu können. Unterwegs hatten wir eine Schulklasse überholt und wußten, daß diese Montag in Weilburg und Dienstag in Runkel übernachten würde. Ein sehr gute Entscheidung, wenn auch aus anderen Gründen als ursprünglich gedacht.

 

02 044 DSC 910302 044 DSC 9118

 

Am Dienstag, unserem Kulturtag, schauten wir uns vormmittags zuerst das Barockschloss Weilburg an, nahmen an einer Führung durch das Schloss teil, sahen den Schlossgarten und die Orangerie an. Am Nachmittag fuhren wir dann zur Kristallhöhle Kubach, die einzige Calcitkristallhöhle in Deutschland. 347 Stufen ging es hinab in die Tiefe und nach der Führung auch wieder hinauf.

 

02 044 DSC 9151

 

Am Mittwoch begann die Fahrt dann mit dem einzigen befahrbaren Schifffahrtstunnel Deutschlands, rund 200 m unter dem Schlossberg Weilburgs hindurch. Am Ende des Tunnels sind 2 Schleusen, die natürlich von Hand zu bedienen sind.

Bei herrlichem Sommerwetter konnten wir die Strecke bis Villmar zügig bewältigen. Die Lahn fließt dort durch einen der schönsten Abschnitte, ein recht enges Tag mit Felsen und Wäldern, wenige Strassen, lediglich links die leise Eisenbahn.

 

02 044 DSC 9180

 

Als wir auf dem Campingplatz des ESV Limburg ankamen waren wir sehr schnell froh, dort nur einen statt wie ursprünglich geplant zwei Tage zu bleiben. Der Platz macht einen sehr ungepflegten Eindruck, Wasserwanderer haben einen Platz am äußersten Ende neben der Pferdeweide (macht richtig Sinn, normalerweise sind Wasserwanderer nicht ohne Grund direkt oder nah am Wasser). Der Boden dort wirkte auch wie eine Koppel, sehr zertreten und hügelig, nicht zum Campen geeignet. Das die Duschen arg modrig rochen setzte dem Ganzen die Krone auf. Und andere Campingplätze auf der Strecke waren preiswerter. Am Abend holten wir noch unsere Autos aus Lollar nach, um aufgrund von Bauarbeiten am Samstag eine lange Reise mit Schienersatzverkehr zu vermeiden.

Der Donnerstag morgen war etwas bedeckt. Kurz vor der Schleuse fuhren wir in Villmar unter einer Brücke aus Lahnmarmor durch, ein sehr beeindruckendes Bauwerk. Lahnmarmor (früher auch Nassauer Marmor genannt) wird überall auf der Welt in vielen berühmten Bauwerken verwendet, so z.B. im Empire State Building, in der Eremitage in St. Petersburg und dem Kreml in Moskau.

Einige Kilometer vor Runkel war auf der linken Seite der schroffe Kalkfelsen „Bodensteiner Lei“ zu sehen.

 

02 044 DSC 9196

 

In Runkel hatten wir dabei einen wunderschönen Blick auf die Burg Runkel, dort war die letzte Selbstbedienungsschleuse.

 

02 044 DSC 9203

 

Kurz vor Limburg kamen wir an Schloß Dehrn vorbei, im Bild auch die schöne Schlossbrücke.

 

02 044 DSC 9218

 

Von Limburg sahen wir den Dom und die Altstadt nur von weitem, für einen Ausflug hatten wir leider nicht genügend Zeit, für die nächste Tour sollten wir diese einplanen.

Etwas näher kamen wir unterhalb von Limburg an das Schloss Oranienstein, eines der Stammschlösser des Niederländischen Königshauses. Einen Kilometer später waren wir am Tagesziel, dem Campingplatz in Aull angekommen. Zu Fuss ging es abends nach Diez, besonders viel von der Stadt sahen wir aber nicht, da es anfing stark zu regnen.

Der Regen ging die ganze Nacht durch und war auch für den folgenden Tag vorausgesagt, daher sattelten Marlies und Ilonka aufs Auto um und fuhren mit Halt an Sehenswürdigkeiten in Balduinstein und Laurenburg bis nach Obernhof, dem Ziel unserer vorletztem Etappe. Wir Paddler mußten in Diez leider noch einmal umsetzen, da eine Schleuse neu gebaut wird. Nach Diez und Fachingen fuhren wir auf einem wunderschönen Abschnitt der Lahn durch das Rheinische Schiefergebirge. Links der Taunus, rechts der Westerwald. Das ganze Tal roch nach dem Harz der dunklen Tannenwälder. Netterweise hielt sich das Wetter nicht an die Vorhersage, wir paddelten komplett im Trockenen, zwischendurch war sogar die Sonne zu sehen und in Obernhof kamen wir am Nachmittag im Sonnenschein am Campingplatz an. So blieb uns nach dem Zeltaufbau noch genügend Zeit, zum Kloster Arnstein hoch zu wandern, uns die wunderschöne romanische Klosterkirche anzuschauen und anschließend in einer Weinstube noch den örtlichen Lahnwein zu probieren (sehr empfehlenswert!).

 

02 044 DSC 9223

 

Am Samstag war dann die letzte Etappe unserer Lahntour. Zum Glück erfuhren wir am Abend vorher vom Campingplatzwart, das in Lahnstein eine Strasse aufgrund Steinschlags gesperrt ist, wir also ca. 8 statt 2 km zu Fuß zum Bahnhof laufen müßten. Daher beschlossen wir, nur bis Bad Ems zu fahren. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, strahlender Sonnenschein, keine Wolken. In Nassau sahen wir das Schloss nur von weitem, Rast machten wir erst in Dausenau, einem wunderschönen Fachwerkdorf. Leider war dort alles geschlossen, sowohl das historische "Wirtshaus an der Lahn" wie auch die Kirche und der Turm der Stadtmauer.

Nach der 3. Schleuse beendeten wir unsere Reise am Ruderverein in Bad Ems, der Bahnhof ist dort gleich um die Ecke und wir konnten mit dem Zug schnell bis Diez fahren, um unsere Autos von dort abzuholen.

So war die Rückreise nach Essen noch am Samstag abend möglich. Nach dem Verstauen allen Gepäcks in den Autos und dem Aufladen ging es zurück zum KGW.

 

Fazit: Eine wunderschöne Wanderfahrt, bei der wir die Tagesetappen beim nächsten Mal noch kürzer machen sollten, da es links und rechts der Lahn einfach sehr viel zu entdecken und anzuschauen gibt.

 

Euer Andreas